Wie wirkt sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) auf die Betreuung der Patientinnen und Patienten aus?

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine gut gelingende interdisziplinäre Behandlung zu besseren Patientenergebnissen führt. Die PUK fördert die interdisziplinäre Patientenbetreuung daher zum einen durch duale, d.h. ärztlich-pflegerische Führungsteams und zum anderen durch Behandlungsteams, die sich aus ärztlichen, pflegerischen, therapeutischen und sozialarbeitenden Kolleginnen und Kollegen zusammensetzen. Die vielfältigen, aus den verschiedenen Berufsgruppen heraus resultierenden Perspektiven tragen dazu bei, dass in die Behandlungsplanung zahlreiche Ansätze einfliessen, was zu einer innovativen Betreuung der Patientinnen und Patienten führt. Denn Innovationen entstehen meist an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen. Zudem können aus der interprofessionellen Praxis vielfältigere Fragestellungen für die Forschung generiert werden.

Gewinnt die Entwicklung von Angebots- bzw. Geschäftsmodellen durch interprofessionelle Teams an Innovationskraft?

Immer wieder werden bei der Entwicklung von modellhaften Angeboten die Projektteams interprofessionell zusammengesetzt. Die Vielfalt an Perspektiven und die gemeinsame Zusammenarbeit ausserhalb der üblichen Hierarchiestrukturen befeuern die Entwicklung von innovativen Ansätzen. Ein Beispiel dafür ist das Modellangebot «Mobiles Wohnen», welches von Ärztinnen und Ärzten, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und Pflegefachkräften gemeinsam entwickelt wurde und nun auch interprofessionell betrieben wird.

Wird Interprofessionalität an der PUK auch auf Kaderebene gelebt? Wie wirkt sich das auf die Innovationskraft der Klinik aus?

Die Innovationsfähigkeit von Einzelpersonen, Teams und gesamten Organisationen ist abhängig von effektiver Führung. An der PUK besuchen Personen, die zum ersten Mal eine Führungsfunktion einnehmen, daher das inhouse-CAS «FH in Leadership PUK», das die Reflexion der eigenen Führungstätigkeit fördert. Dies geschieht dabei nicht nur in Einzelsettings, sondern auch innerhalb von Gruppenarbeiten. 

Jedes Mitglied einer Berufsgruppe erhält bestimmte Mindsets bzw. Denkhaltungen in Bezug auf die jeweilige Ausbildung mit auf den Weg, welche sich auch auf Führungshaltungen bzw. -verhalten auswirken. Werden die eigenen Haltungen und das eigene Führungsverhalten in interprofessionell zusammengesetzten Gruppen gezielt reflektiert, gewinnt diese Auseinandersetzung an deutlich stärkerer Dynamik. Die Qualität der Kaderentwicklung wird durch eine interprofessionelle Zusammensetzung insgesamt verbessert. Wenn dadurch letztlich das Führungsverhalten wirksamer wird, fördert dies nicht zuletzt die Innovationskraft der Klinik.